Leichtathletik

Ahmetaj Leonore jiKreis„Damit würde ich albanische Meisterin“, jubelte Leornora Ahmetaj (LG Olympia, Foto) nach einem gelungenen Diskuswurf beim Training im Stadion Rote Erde. Sie hatte wieder einmal Zeit gefunden, die Diskusscheibe in die Hand zu nehmen, mit der sie schon so große Erfolge feierte. Sieben westfälische und drei NRW-Titel mit Kugel und Diskus sammelte sie und als Vierzehnjährige erzielte sie mit dem Diskus einen Westfalenrekord (38,00 m). Aber seit Monaten war sie von der Leichtathletik-Bildfläche verschwunden.

Noch zu Beginn der Wintersaison hatte sie mit ihrem Trainer Andreas Nötzig die Teilnahme an den deutschen Winterwurf-Meisterschaften geplant, denn dafür hatte sie bereits die Anforderungen erfüllt. Aber je näher der Termin rückte, desto knapper wurde die Zeit für ein gezieltes Training.

Zum einen forderte das bevorstehende Abitur ihre ganze Aufmerksamkeit, darüber hinaus war „Nora“ als Schulsprecherin und ferner auch politisch engagiert und musste bei vielen Veranstaltungen Präsenz zeigen. Unter anderem organisierte sie Gedenkstättenfahrten zu früheren Konzentrationslagern. Wo dann die Zeit zum Training hernehmen und wenn diese einmal zur Verfügung stand, dann waren die Trainingsmöglichkeiten wegen Hallen-Veranstaltungen eingeschränkt. Kleinere Verletzungen kamen dazu, so dass immer weniger Zeit zur Verfügung stand. Zudem erforderten die Vorbereitungen auf ihr freiwilliges soziales Jahr in der albanischen Heimat ihres Vaters, der über das Kosovo nach Deutschland kam, weiteren Zeitaufwand.

Leonora Ahmetaj arbeitet an einer deutsch-albanischen Schule
„Wir haben noch einmal versucht zwei Wettkämpfe in ihrem Terminkalender unterzubringen, beide scheiterten“, sagt er. So kam dann auch die Teilnahme an den Westfalen- und NRW-Meisterschaften nicht mehr in Frage, und auch die „Deutschen“ waren kein Thema mehr. Einst setzte man in Leonora Ahmetaj große Hoffnungen, die Wurfszene bei der LGO zu beleben. Aber das ist jetzt erst einmal Vergangenheit. Albanien ist für sie nicht fremd, denn dort leben ihre Verwandten und sie hat in dem Balkanland bereits mehrfach Urlaube verbracht. „Eine neue Kultur, neues Klima, neues Denken, das reizt mich“, ist sie wissbegierig. Aber Andreas Nötzig hofft, dass sie den Sport nicht ganz vergisst und Gelegenheit bekommt, ab und zu Diskus und Kugel in die Hand zu nehmen und er meint: „Ich wäre auch mit jeder anderen sportlichen Betätigung zufrieden.“

Die 19jährige arbeitet an der deutsch-albanischen Schule, einer Grundschule in Tirana, was ihrem Wunsch, „etwas mit Kindern zu machen“, entspricht. „Von starken albanischen Werferinnen habe ich noch nichts gehört“, sagt Nora, so dass ihr Optimismus, einen albanischen Meistertitel in den Wurfdisziplinen zu erkämpfen, nicht unberechtigt ist. „Das würde mir viel Spaß machen, aber ob es zu dazu kommen wird, kann ich heute noch nicht sagen.“

Andreas Nötzig hat die Hoffnung, dass sein Schützling irgendwann zurückkehrt und dann wieder Diskus und Kugel fliegen lässt, noch nicht aufgegeben. „Sie war und ist ein großes Talent“, betont er.