Leichtathletik
Sander Manuel nach 400m Sieg jiDortmund„Ich musste mich erst einmal kneifen, um zu begreifen, dass ich deutscher 400-Meter-Meister bin“, gestand Manuel Sanders (LG Olympia Dortmund) nach seinem unerwarteten Erfolg von Berlin. „Auch nach meiner schnellsten Vorlaufzeit fühlte ich mich nicht als Favorit.“ Als Sanders auf Tuchfühlung zur Konkurrenz auf die Zielgerade einbog, dachte er: „Jetzt könnte noch etwas gehen.“ und war selbst überrascht, wie einfach es gelang. Er kehrte damit mit einem Paukenschlag an den Ort zurück, an dem er vor einem Jahr als Ersatzmann für die deutsche „4x4“ zum Zuschauen verurteilt war.

Eigentlich sollte das Jahr 2019 eine Übergangsphase mit dem Fernziel Tokio 2020 werden, denn nach seiner langwierigen Erkrankung, war er im Training erst seit Februar dieses Jahres wieder voll belastbar. Dennoch dosierte Coach Thomas Kremer das Training sehr vorsichtig und zurückhaltend. „Thomas hat mich mit angezogener Handbremse trainiert, und ich kann mich vor allem bei ihm dafür bedanken, dass ich heute da bin wo ich mich derzeit befinde“, lobt er seinen Trainer. Auch Physiotherapeut Sanel Göran schreibt einen guten Anteil an seiner Gesundung zu. So hat er trotz der hohen Belastungen keine gesundheitlichen Probleme bei mehreren Läufen hintereinander, und die alte Verletzung hat sich nicht mehr gemeldet.

Manuel Sanders trinkt jeden Morgen ein Glas Rote-Beete-Saft
Ein Geheimrezept hat der Fast-Zwei-Meter-Mann nicht. „Ich trinke jeden Morgen ein Glas Rote-Beete-Saft. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich so fit fühle“, vermutet er nicht ganz ernsthaft.Sanders hat nun seinen ersten Teilzeit-Arbeitsplatz bei der Dortmunder Event-Agentur Neovaude GmbH angetreten. „Mein Arbeitgeber gewährt mir genug Zeit, damit ich meinen Fokus auf den Leistungssport legen kann", sagt Sanders und gesteht: „Natürlich ist es nicht einfach, alles unter einen Hut zu bringen, aber bis jetzt bin ich gut zurecht gekommen.“ Zeit für andere Hobbys bleibt ihm nicht. „In Torben Junker und Henrik Krause habe ich in unserer Trainingsgruppe gute Freunde gefunden, und wir harmonieren prächtig“, macht er deutlich. Deshalb bedauert er das Ausscheiden von Junker im Vorlauf sehr: „Im Training sind wir Partner und Freunde, aber im Wettkampf schenken wir uns nichts.“ Auch Physiotherapeut Sanel Göran schreibt er einen guten Anteil an seiner Gesundung zu.

Sanders' nächster internationaler Einsatz, der dritte in diesem Jahr, erfolgt am nächsten Wochenende bei der Team-EM im polnischen Bydgoszcz. Dabei wird er sich vor allem auf die 4x400-Meter-Staffel konzentrieren, denn die deutschen Langsprinter wollen noch einmal einen Angriff auf einen Platz unter den ersten 16 der Weltrangliste unternehmen und sich damit für die WM in Doha zu qualifizieren.

Dafür sind 3:01,92 Minuten zu unterbieten. Sanders hat jedoch noch ein weiteres Ass im Ärmel, denn die 4x400-Meter-Mixel-Staffel hat bereits die Anforderungen für die WM im Wüstenstaat erfüllt und aus diesem Quartett ist er nun nicht mehr hinweg zu denken. „Aber an Doha verschwende ich noch keinen Gedanken, denn das ist noch lange hin.“ Bis dahin will er noch an seinen Schwächen arbeiten. „Obwohl ich schon stärker geworden bin, muss ich noch meine Schnelligkeit verbessern und an meiner Athletik arbeiten. Darunter darf aber mein Stehvermögen nicht leiden“, übt er Selbstkritik. Wenn ihm dieser Spagat gelingt, dann kann seine Kampfansage gelingen, wenn er sagt: „Im nächsten Jahr kommt noch mehr.“

Symbol KameraManuel Sanders verlässt nach seinem 400m-Triumph die Bahn im Berliner Olympiastadion.
(Foto: Peter Middel)